Geschichte

vom Mittelalter bis in die Gegenwart

Die Geschichte des Gemäuers geht zurück bis ins Jahr 1348, als das Dorf Richimbach um eine Kirche und ein Rittergut entstand. Später wird der Ort in Reichenbach umbenannt. Erst ab 1529 erhält er den Namen Dornreichenbach in Anlehnung an die dornengestrüppreiche Umgebung.
Zeiten der Not gingen über das Dorf hinweg. So brannte es 1637 im Dreißigjährigen Krieg beinahe gänzlich ab und löschte fast alle Bewohner aus. Die wenigen Überlebenden ließen sich in anderen Dörfern nieder. Ganze 15 Jahre lang wohnte kein Mensch in Dornreichenbach und Dornen und Gestrüpp überwucherten den Ort. Erst Alrich von Mordeisen begann im Jahr 1653 das Dorf mit Kirche und Schule wiederaufzubauen. 1665 wurde dem Ensemble ein Schloss hinzugefügt. Insgesamt mehr als 200 Jahre war Dornreichenbach im Besitz der Familie von Mordeisen. Die 60 Dorfbewohner unterstanden alle dem Rittergut. Sie hatten Frondienste zu leisten, Weidegeld zu zahlen. Der Gutsherr hatte die Gerichtsbarkeit inne. Zum Rittergut gehörten neben dem Wirtschaftsgebäude auch die große und kleine Schenke mit Brauhaus, Erbschmiede, Lustgarten, zwei Steinbrüche sowie 23 Teiche. Insgesamt 1000 Schafe wurden gehalten.
Nach der Familie von Mordeisen, folgten mehrere Besitzerwechsel. Die letzten waren die Herren von Minckwitz, einem alten mitteldeutschen Adelgeschlecht entstammend, darunter Wilhelm von Minckwitz (1837–1922), königlich-sächsischer General der Infanterie und Generaladjutant des Königs Albert von Sachsen.
Um Wilhelm rankt sich eine Geschichte mit Herz, Schmerz und Geld: Johanna Natalie Schulz, geb. Seyfferth, älteste Tochter des Leipziger Bankiers Wilhelm Theodor Seyfferth verliebte sich unsterblich in den Dornreichenbacher Gutsbesitzer von Minckwitz, ihr Vater verheiratete sie jedoch mit einem Angestellten aus seinem Bankhaus. Kurze Zeit darauf verstarb Johanna vor Gram. Zu ihrem Gedächtnis kaufte ihr tief getroffener Vater das westlich seiner Villa gelegene Wiesen- und Waldstück und ließ es vom königlich-preußischen Gartendirektor Peter Josef Lenné zu einem Park im englischen Stil umbauen. Wilhelm von Minckwitz setzt er als seinen Alleinerben ein und machte ihn damit zu einem der Reichsten der Region.
Albert Wilhelm (1880 – 1943) verkaufte das Anwesen schließlich 1936. Zweige der Familie bestehen bis heute…
Mit dem 19. Jahrhundert erhielten die Steinbrüche der Region eine besondere Bedeutung. Der traditionsreiche Abbau des Dornreichenbacher Quarzporphyr wird bis heute betrieben. Das Gestein findet für Pflasterungen und Schotterung sächsischer Straßen Verwendung. Der Aufschwung der Steinindustrie ließ das Dorf stetig wachsen, so dass heute hier rund 600 Einwohner leben.
In den Jahren des Zweiten Weltkrieges diente das Rittergut als Inspektorenhaus, später wurde es in die Besitztümer der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) überführt.

1997 erwarb der heutige Besitzer, Enrico Ullmann, das verwahrloste, heruntergewirtschaftete Anwesen und ließ es als Wohn- und Geschäftshaus umbauen. Er setzte sich ebenso für den Erhalt und Aufbau des benachbarten Tiergeheges ein. Das ehemalige Waschhaus ließ die Gemeindeverwaltung Lossatal zur Pilgerrast umgestalten.

Rittergut Dornreichenbach – früher und heute